olivenöl

Dienstag, 3. März 2015

Mit D.O.P und Q-Code bewaffnet

Das eigentliche Problem bei der Etikettierung  sind die aktuellen EU-Bestimmungen, denn heute ist es verboten Hinweise und Beschriftungen, die direkt auf den Herstellungsort verweisen abzudrucken. Kaum zu glauben, aber ich dürfte nicht auf das Etikett meines Olivenöles schreiben: “ein fruchtiges extra natives  Olivenöl direkt aus unserem Olivenhain in Moscufo,  Mitten in den Abruzzen”, auch wenn es vielleicht Das wäre, was den Verbraucher am meisten interessiert.  

Direkte geografische Hinweise auf den Herstellungsort sind nicht zugelassen.   Alles was ich schreiben darf ist wahlweise: “aus italienischer Landwirtschaft” oder “Eu- Landwirtschaftsprodukt”, wenigstens  kann ich noch die Adresse meiner Azienda Agricola angeben…



Dem kleinen Olivenbauern, stolz auf sein Produkt und auf seine Herstellungsart, bleiben nur  wenige Mittel um Olivenöl-Liebhaber davon zu überzeugen,  das das kostbare Öl nicht gepanscht und gemischt wurde. Heute ist es nicht einfach nachweisen zu wollen, woher die Oliven kommen, wie sie angebaut, geerntet, verarbeitet werden. Es wäre für manchen Kenner vielleicht auch interessant zu wissen welche  für  Oliven Arten im “Öl drin stecken”.


Eine  Möglichkeit stellt  die geschützte Ursprungsbezeichnung (D.O.P. = Denominazione d’Origine Protetta) dar.   Nur bestimmte abgegrenzte geographische Gebiete, mit den dort einheimischen Oliven Arten  sind als  “geschützte D.O.P. Gebiete” registriert.  Jedes dieser Gebiete hat einen Namen, eine Bezeichnung und  jeder Olivenbauer der in diesem Gebiet Oliven dieser Arten anbaut,  kann sich (nach Kontrollen) in das Register der Olivenöl Produzenten des D.O.P. Gebietes einschreiben.


Interessant sind die Vorschriften in Bezug auf Qualität und Eigenschaften von D.O.P. Olivenöl.   So werden für  jedes D.O.P. Gebiet  Qualitätsmerkmale wie etwa  der maximal zulässige Säuregrad, die Anzahl der Polyphenolen aber auch die Geschmacksrichtung festgesetzt. Jedes  Jahr wird das Olivenöl der Hersteller die im Register vermerkt sind daraufhin kontrolliert. Es gibt sogar die Möglichkeit nummerierte D.O.P. Olivenöl-Flaschen herzustellen:  hierbei wird bei der Ernte jeden Tag registriert wann und wie viele Oliven geerntet werden, in welcher Ölmühle die Weiterverarbeitung stattfindet und  wie viele Flaschen oder Kanister abgefüllt werden.



Theoretisch klingt das alles wunderbar, doch die Kosten für die Herstellung von nummerierten D.O.P. Flaschen sind hoch.  Reicht die Einschreibung in den D.O.P. Register mit jährlicher Analyse des Olivenöles, oder muss es die nummerierte Flasche sein? Ist der Kunde auch wirklich bereit dafür zu zahlen und wie hoch ist das Vertrauen in die Bürokratie? Was machen Olivenbauern, die hervorragendes Olivenöl herstellen aber nicht in einem D.O.P. Gebiet sind? 












Eine einfache Möglichkeit könnte  der Q-Code auf den Flaschen Etiketten bieten. Es ist nicht verboten sich als Olivenbauer ein persönliches datiertes Register zu schaffen, alle Aktivitäten wie Pflege, Ernte, Verarbeitung und Abfüllung, könnten direkt vom Kunden mitverfolgt werden. Die technischen Voraussetzungen sind inzwischen wirklich weit verbreitet und es würde ausreichen nur eine Art von Flaschen-Etikett drucken zu lassen, alle Symbole und Einschreibungen in Bio oder DOP Register könnten  online gespeichert und immer neu aktualisiert werden.





Doch trotz aller Technologie und Bürokratie gibt es immer noch Olivenöl Kenner, die die gute alte Art vorziehen: selber hinfahren, anschauen und probieren… es lohnt sich bestimmt, denn die Abruzzen sind immer noch ein Geheimtip, Moscufo liegt im ältesten  D.O.P. Gebiet Italiens,  ein wunderschöner Lanschaftsstreifen mit Hügeln zwischen Meer und Gebirge.

 Mit dem Namen “Aprutino-Pescarese” besteht dieses D.O.P. Gebiet seit 23 Jahren, wahrscheinlich waren hier die Ursprungsgebiete der einheimischen geschützten Olivenart “Dritta”, die schon zur  Römerzeit hier angebaut wurde.
Das naturreine  Olivenöl extra native "Aprutino Pescarese" D.O.P. muss folgende chemische und organoleptische Merkmale erfüllen:  
- Säuregrad höchstens 0,60 %
- Peroxide <= 12 Meq02/kg
- Polyphenole >= 100 p.p.m.
- Farbe von grün bis gelb
- Geruch mittel- bis stark fruchtig
- Geschmack fruchtig


Zum Glück ist unser  Öl in den meisten Jahren weit besser, eine Ausnahme besteht für  letztes Jahr.  Die Ernte auch bei uns schlecht und es war nicht möglich ein D.O.P. Olivenöl herzustellen, denn der Säuregrad war zu hoch.